Es ist Obtober, Herbst, Grippezeit. Ein Teil der Familie ist krank oder hat das gröbste bereits hinter sich. Ich will zu Hause raus, nehme alle Kinder gern mit. Auf dem Stuttgarter Marktplatz ist am 8. Oktober der „Aktionstag Elekromobilität (AtEm)“. Bosch, Extraenergy und zahlreiche andere Aussteller sind vor Ort. Klingt gut, also nix wie hin.

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Nur wie? Ich habe immernoch die Diskussion mit „everydaycm“ von www.criticalmass-berlin.org im Kopf. Also welche Optionen gibt es?

Mit Pedelec und Kinderanhänger, gut, alle können mit, keine Parkplatzprobleme, kostet nix. Diverse Radwege sind wegen Baustellen gesperrt oder mit dem Anhänger nicht befahrbar. Von Esslingen brauchen wir aufgrund der Umwege ca. eine Stunde, auf dem Rückweg ebenso – machen da die Kleinsten so lange mit? Ich zweifel.

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Mit dem VW Bus, gut, alle können mit, wir brauchen nur 25 Minuten bis in die Stadt, dann Parkplatz suchen und den Marsch vom Parkplatz zum Marktplatz angehen. Kosten bei 30km hin und zurück ca. 15 Euro zuzüglich Parkhaus. Das ist verdammt teuer! Auf dem Rückweg schlafen dazu garantiert alle ein, weil es so bequem ist. Nein!

Mit Bus und Bahn, dabei ein Kinderwagen oder den Doppel-Fahrradanhänger mit montiertem Vorderrad. Kostet 4 Euro für die Große, ich kann die letzten zwei Fahrten meiner kaum noch leserlichen 3-Zonen-Sammelkarte endlich aufbrauchen. Die Bahn hält in der Nähe des Marktplatzes, der Bus keine 5 Minuten von unserer Haustür entfernt – bleibt das Risiko umsteigen am Bahnhof Esslingen, denn wir haben nur 4 Minuten Zeit. Zeit bis Stadtmitte laut Plan 34 Minuten. Für unseren Fall ist das die vernünftigste Lösung!

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Da noch nicht alle wieder fit sind, entscheide ich mich für den großen Croozer Anhänger, falls zwei der drei mal schlapp machen. Gut, Verpflegung, Getränke, Windeln, Kuscheltiere, Jacken, Mützen, Telefon, Fahrplan und Strecke, alles dabei – LOS GEHT’S!

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Etappe 1: Bus 111

  • Der Bus kam sehr pünktlich
  • Der große Croozer passte trotz Fahrrad im Kinderwagenabteil hinein
  • Der Fahrer hat den 20 Euro-Schein für die Kinderfahrkarte angenommen und konnte wechseln
  • Der Bus kam eine Minute früher am Bahnhof an
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1 + 2 + 3 im Croozer

Etappe 2: Umsteigen

  • Erste Frage, passt der Croozer überhaupt in den Aufzug zur Unterführung? Zunächst konnte dazu keine Erkenntnis gewonnen werden – Fahrstuhl defekt.
  • Drei Kinder und ein 20kg Croozer, der nicht Treppentauglich ist – nach einem kurzen aber lauten Fluchen sprang eine 20 jährige herbei und bot sich zum Runterschleppen an. Vielen Dank dafür!
  • Hoffentlich geht der andere Fahrstuhl, wir haben nur noch 2 Minuten. Eine andere Familie mit Kinderwagen überholte uns und stand zuerst am Fahrstuhl zum Bahnsteig – Mist! Immerhin funktionierte der.
  • Als der Fahrstuhl wieder runterkam, um uns hochzubringen fuhr die S-Bahn bereits ein. Die Fahrstuhltür öffnete sich auf der Bahnhofsebene, die Türen der S-Bahn standen noch offen, schnell schob ich alle in die nahegelegenste Tür. Den Croozer wuppte ich gekonnt die 45cm Höhenunterschied hinauf.
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Fahrstuhl Esslingen – DEFEKT

Etappe 3: S1 nach Herrenberg

  • Die Bahn kam pünktlich
  • Die 45cm hohe Stufe beim Einsteigen ist einfach nur Mist mit dem Anhänger
  • Alle Kinder hatten einen Fensterplatz, im Allgemeinen war die Bahn nicht voll
  • Bis Stadtmitte verlief alles gut, ebenerdiges Aussteigen, kein Problem

Etappe 4: S-Bahnhof Stadtmitte zum Marktplatz

  • Kürzester Weg Ausgang Nord – bei Ankunft am Ausgang stellen wir fest, Aufzug? Fehlanzeige! Aber dafür gibt es Rolltreppen – alle defekt!
  • Einziger möglicher Ausweg, Ausgang Süd, d.h. über 200m über den Bahnsteig wandern
  • Wer hätte das gedacht- Aufzug defekt! Immerhin, die Rolltreppen funktionieren.
  • Von der Zwischenebene zur Calwer Passage funtioniert die Rolltreppe ebenfalls.
  • Oberirdisch gingen wir dann wieder zum Ausgang Nord, dieser Umweg hat ganze 20 Minuten gedauert!
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Fahrstuhl Stuttgart Stadtmitte – DEFEKT

Die AtEm und die Aussteller waren für Papa und Kinder sehr interessant. Gerne hätte ich mehr Fragen gestellt, insbesondere bei Bosch, Extraenergy und dem Brennstoffzellen-Bus der SSB. Auch sehr bekannte Leute waren vor Ort, der Chef von ExtraEnergy Hannes Neupert redete mit Verkehrsminister Herrmann während die drei Kinder in der Wanne eines Urban Arrows mit Bosch-Motor saßen und ich mich entlang der aufgebauten Versuchsstrecke langtastete – es war zu Beginn sehr wackelig. Darüber hinaus traf ich noch jemanden am „Landesagentur für Elektromobilität„-Stand, den ich beim Pendeln kennelernte und für den Pedelecmonitor anwarb. Für mich war es eine sehr informative Veranstaltung.

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Urban Arrow Family (Bild: Urban Arrow)

Für Kinder gab es allerhand spannende Sachen und Werbegeschenke. Wir verließen um 18:00 den Marktplatz mit „nur“ 16 Helium-Ballons, 2 VVS Kappen, 1 VVS Beutel, 3 A3-Blatt EnBW Ausmalbildern, 2 Brotboxen mit Wachsmalstiften von Bosch, 6 oder 8 Äpfeln, 2 mal Popcorn und allerhand Kleinkram. Das Lastenrad zu testen hat riesig Spaß gemacht. Das Elektroauto und -Scooter Testen ging leider nicht mit den 3 Kleinen dabei.

Auf dem Rückweg kam noch eine defekte Rolltreppe von der Calwer Passage ins Zwischengeschoss dazu, doch in 5 Minuten Entfernung war eine Rampe nutzbar. Die restliche Situation stellte uns vor keine neuen Probleme. In Esslingen half jemand beim Tragen, der Bus war bereits voll, doch der Croozer passte noch irgendwie rein und 15 Minuten später erreichten wir die Haustür.

Bus und Bahn haben allen Spaß gemacht! Ohne Hilfe wäre dieser Ausflug jedoch bereits am Bahnhof zum Scheitern verurteilt gewesen. Der ÖPNV hat ohne Frage hervorragend funktioniert. Die nicht funktionierenden Rolltreppen und Fahrstühle hingegen stellen die darauf Angewiesenen vor schwierige Herausvorderungen oder gar unlösbare Probleme. Hier bedarf es massiver Verbesserung!

Passend zum Beitrag ist dieser Artikel der Stuttgarter Zeitung.

Ich bin sehr froh, dass ich mit meinem Pedelec jeden Tag zur Arbeit pendeln kann und nicht auf den ÖPNV angewiesen bin.

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